Valsesia:
Das grünste Tal von ganz Italien. Um sich davon zu
überzeugen, daß dies mehr ist als nur ein erfolgreicher
Slogan, genügt es, das Tal wenigstens einmal zu durchqueren.
Von Varallo
nach Alagna kündigt eine endlose Reihe von bewaldeten Hängen den Monte
Rosa an.
Und keine einzige Serpentine unterbricht
die gerade Linie der Straße, die in bequemer Trassenführung
durch das Tal führt, immer in der Nähe des Flusses.
Das Valsesia ist also nicht nur das
grünste Tal, sondern auch die bequemste Route, um in
kürzester Zeit und in jeder Jahreszeit an den Fuß des
zweithöchsten Berges Europas zu gelangen.
Einen großen Anteil an diesen günstigen Bedingungen hat die
langsame, aber machtvolle Arbeit, welche der große Gletscher
geleistet hat, der während der letzten Eiszeit das ganze Tal bis
vor die Tore von Borgosesia bedeckte.
Das Valsesia umfaßt das Haupttal, das sogenannte Val
Grande (großes Tal),
das Val
Sermenza oder Val
Piccola (kleines Tal),
das Val
Mastallone und eine erkleckliche Anzahl kleinerer Täler.
Etwas südlich von Borgosesia entspringt der bedeutendste Nebenfluß der Sesia, der Wildbach Sessera,
der seinen Beitrag zur Wasserführung der Sesia leistet,
nachdem er ein wildes und unbewohntes Tal im oberen Teil und eine
industrialisierte und relativ dichtbesiedelte Gegend im unteren Teil
durchflossen hat.
Wegen ihrer geographischen
Eigenschaften, der beträchtlichen Wasserführung und der
Schönheit der Landschaft sind die Sesia und ihre Nebenflüsse
bei Kanufahrern in der ganzen Welt berühmt.
Es
sind insgesamt über hundert Kilometer Wasserläufe, die man
hier herunterfahren kann, in verschiedenen Schwierigkeitsgraden, von
leichten Flußabschnitten bis hin zu extrem schwierigen und anstrengenden.
Es gibt hier auch zahlreiche und wohlorganisierte Kanuschulen, wo man auch das Kajakfahren und die Techniken für Hydrospeed lernen kann, spannende Abfahrten mit dem Schlauchboot machen oder in eine ganz neue Sportart eingeweiht werden kann, die einen noch engeren Kontakt mit der Natur bietet: dem Canyoning oder Schluchtengehen.
Aber die Sportfans und Freunde des
Aufenthalts im Freien haben noch viele, viele andere
Möglichkeiten, mit denen sie ihren Aufenthalt im Valsesia
äußerst angenehm gestalten können. Um mit den Wanderern
zu beginnen: Ihnen bieten sich
Hunderte von durch den CAI Varallo großteilsgut ausgeschilderten Pfaden, deren Schwierigkeitsgrad langsam ansteigt, je höher man geht. Die Angler kennen den Fischreichtum der Wildbäche und Alpenseen sehr gut, es fehlen auch Angebote für Reiter nicht, gut ausgestattete Reitbahnen etwa; dann gibt es eine Schule für den Trial-Sport und eine für das Mountainbike, mit vielen Wegen, die sich für diesen Sport eignen. In Valsesia findet man Anlagen für das Bogenschießen und für Golfspiel, das man im Sommer in den Löchern der Alpe
di Mera spielen kann. Ebenfalls angeboten werden Sommerkurse für Basketball.
Die Vorliebe der Leute aus dem Valsesia für den Umweltschutz sieht man auch am Parco
Naturale Alta Valsesia, dem Naturpark Oberes Valsesia,
in den Tälern, die vom Monte
Rosa weggehen, sowie dem Parco
Naturale Monte Fenera, der auch vom archäologischen Standpunkt aus sehr interessant ist. Der
Naturpark Oberes Valsesia, wurde 1979 eingerichtet und 1985
vergrößert. Er umfaßt die Gebiete der Gemeinden Alagna,
Rima, Rimasco, Carcoforo, Fobello und Rimella und gilt als der höchstgelegene Naturpark Europas, da er einige Viertausender aufzuweisen hat.
Auf dem Gelände des Parks sowie in
den angrenzenden Gebieten sind zahlreiche Steinböcke zu
beobachten, aber auch Gemsen, Murmeltiere und Königsadler,
während die Flora alle typischen Alpenpflanzen aufzuweisen hat.
Der Tourist hat darüber hinaus die
Möglichkeit Führungen mitzumachen,
die auf
Pfaden durchgeführt werden, die jeweils bestimmten Themenbereichen
gewidmet sind.
Der Naturpark Monte Fenera
wurde 1987 gegründet und bedeckt eine Fläche von 3365 Hektar, etwas südlich von Borgosesia.
Der Monte Fenera, eine charakteristische Erhebung, welche den
Eingang des Val Sesia und des Valsessera beherrscht, ist wegen
seiner zahlreichen Höhlen berühmt, in denen man Spuren
prähistorischer menschlicher Besiedlung erkennen kann. Funde aus
diesen Höhlen sind im Paläoontologischen Museum von Borgosesia zu besichtigen.
Vielleicht der beste Weg, die Seele des
Valsesia zu begreifen, ist es, das Tal ganz frei und geleitet vom
Augenblick zu durchstreifen, ohne Plan und Vorsatz.
Es
genügt, sich vom Augenblick leiten zu lassen, in ein Seitental zu
gehen oder auf eine sattgrüne Weide in den höheren Lagen,
jenseits der Waldgrenze. Wer so vorgeht, für den werden Rassa und die Dörfer des Val
Gronda eine angenehme Überraschung sein. Oder auch Guardabosone, wo man das Naturkundliche Museum oder den Botanischen Garten besuchen kann, die große Sonnenuhr...
Im Valsessera
scheinen die Ortschaften Caprile, Ailoche und Postua in einem
Meer von Wäldern versteckt zu sein, die eifersüchtig den ländlichen
Frieden bewachen, der ansonsten für immer verloren scheint. Oberhalb
davon ist die Hochebene von Noveis, die im Sommer eine
vielbesuchte Sonnenterrasse mit herrlicher Aussicht ist.
Versuchen Sie auch, sich im Gewirr der Gebirgsstraßen im Valduggia verlieren,
bei Cellio und Breia,
zwischen dem Valsesia und dem Lago d'Orta. Zwischen
Dörfern, Bauernhäusern, herrschaftlichen Gebäuden und
kleinen Kirchlein werden Sie eine Welt entdecken, in der man nach
menschlichem Maße leben kann, im Einklang mit der Natur.
Weiter oben am Berg, wo die Felsen den
Fluß eng zusammenzwingen, um sich dann weiter in weitem Becken zu
öffnen, sind die Dörfer mit der charakteristischen
Architektur des Gebirges, die auf dem sinnvollen Gebrauch von Holz und
Stein gründet. So etwa Carcoforo,
ein in dieser Hinsicht modellhaftes Dorf; oder
Cervatto,
herrschaftlicher Balkon über den Schluchten des Mastallone; oder Rossa,
fast wie eine Briefmarke, die an den Berg geklebt ist.
Viele andere Orte sind es wert, ihnen
mehr als nur einen kurzen Blick zu gönnen, während man die
bequeme Straße zum Ende des Tales geht. Und das Valsesia und das
Valsessera bieten reichlich Lohn für die Aufmerksamkeit, die man
ihnen zollt.