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ich möchte kurz von den Etappen der religiösen Geschichte einer sehr kleinen Pfarrei
erzählen.
Hier
wurde, noch vor der Kirche S. Rocco im jetzigen Ort (etwa um 1600), die Kirche Madonna
della Neve in Selletto erbaut, die
bereits 1590 genutzt wurde, und die auch heute
noch einen vergoldeten Holzaltar mit kleinen Statuen beherbergt, deren Stil dem
von Cravagliana und Fobello ähnelt.
So
beschrieb man das Gotteshaus Anno 1590::
"Vor
der Kirche befindet sich ein Säulengang mit vier Säulen. Über dem Eingang befindet
sich ein großes Fenster mit vier kleinen Säulchen (es
handelte sich also um eines der traditionellen dreibogigen Fenster).
Im
Stützbalken ist ein Kruzifix eingeschnitzt, und auf dem vergoldeten und mit Schnitzereien
verzierten Altarbild sind mehrer Heilige und, in der Mitte, die Mutter Gottes mit Kind
abgebildet... Auf dem Dach befindet sich eine kleine Glocke".
"Die
Kirche steht unter dem Patronat der Familie Berra".
Kurz
hinter den beiden vorher genannten Gebäuden befand sich das Oratorium San Pantaleone, das
vor kurzem abgerissen wurde, weil es baufällig war: ein schönes Bildnis des Heiligen
kann man nun in der Pfarrei bewundern.
An
der Straße durch die höher gelegenen Ortsteile liegt ein weiteres kleines Oratorium,
das ab dem Jahre 1729 nach
Turin ausgewanderte gebürtige Cervattesi erbauen ließen: sie weihten es der
Madonna Consolata:
Die Bewohner des Ortsteils Taponaccio
beschlossen, mit einem kleinen Oratorium den Heiligen S.Delendente zu ehren und
um die Beschützung Ihrer Herden zu bitten: 1744 wurde es erbaut. Anna Rosa
Cucciola erinnert mich daran, daß sich im Inneren ein Gemälde des Künstlers De
Dominicis aus Rossa befindet.
In
Campelli ist das antike Oratorium S. Bernardo erhalten:
es
beherbergt
eine Tafel mit
einem Bildnis
der Heiligen Jungfrau, des Heiligen Bernhard und des Heiligen Antonius.
In
Giavina feiert man das Fest der Madonna
delle Grazie, während
in höheren Lagen, in Balmone, auf 1850 Höhenmetern,
häufig Lobgesänge zu Ehren der
Madonna
d'Oropa angestimmt werden. Eine
Lawine hatte im Jahre 1850 das e Oratorium unter sich begraben: doch der unerschütterliche
Wille der frommen Bewohner ermöglichte den Wiederaufbau im Jahre 1878.
Unter
den anderen der Madonna geweihten heiligen Stätten in Cervatto soll das Heiligtum
der Jungfrau
von Lourdes mit
dazugehörigem Oratorium aus dem Jahre 1896
nicht unerwähnt bleiben.

Dieses Foto zeigt die schloßähnliche Villa der Familie Montalto mit der angeschlossenen
Kirche des Hl. Johannes des Täufers.
Von
den kleinen Oratorien berichtet auch Don Ravelli, der sie alle beim
Abstieg vom Pizzo Tracciora selbst besichtigte:
"Die
Kirche Madonna del Balmone und die anderen Gotteshäuser, auf die man auf dem Weg
gen Tal trifft, sind alles kleine, wunderbar eingerichtete und gepflegte Heiligtümer."
Der
Priester, der auch leidenschaftlicher Bergsteiger war, beschreibt überdies, wie diese Heiligtümer
den Frieden und die Ruhe dieser Umgebung symbolisieren und verteidigen:
"Selbst
der Hirsch, der die Berge unterhalb von Cervatto
hinunterspringt, läuft hier beinahe
lautlos vorbei, als wollte er den Frieden dieses kleinen Paradieses nicht stören".
Die
fromme Religiösität der Bewohner unser Bergregion war schon immer von der Verehrung vieler
Heiliger charakterisiert - besonders oft wandte man sich an die Schutzpatrone der
Gesundheit, der Arbeit und des Viehs. Noch bevor San Rocco erbaut wurde, waren zwei
kleine Kirchen dem Heiligen Martin und dem Heiligen Antonius geweiht worden, die
in erster Linie die Ställe schützen sollten. Aus dem selben Grund erbat man auch jedes Jahr
Ende Juni die Hilfe Johannes des Täufers, wenn
die Hirten zum Almauftrieb aufbrachen.
Das
Oratorium befand sich auf dem Felsvorsprung über dem Gulotto und war somit auch
von den höchstgelegenen Almen sichtbar.
Ende
des 19. Jahrhunderts erbaute die Familie Montalto ihre beeindruckende schloßartige
Villa, die allerdings die Kirche keinesfalls in den Hintergrund stellte. Ihr Baustil
wurde von den großzügigen Montalto verfeinert; außerdem wurde die
Kreuzwegstraße, die die Kirche mit dem alten Oratorium verband, wieder instandgesetzt.
Auf den traditionellen vierzehn Stationen wird an Giovanni Battista Peracino aus
Cellio erinnert, der hier im Jahre 1775 den
Kreuzweg genau so wie schon zuvor in Cadarafagno
durchführte. Francesco Burlazzi aus Varallo führte ihn 1892 wieder
ein.
Wenn
wir in den Ort zurückkehren, befinden wir uns direkt vor der Pfarrkirche.
Als
das Oratorium noch Fobello untergeordnet war, ordnete derBischof im
Jahre 1590 an, die Glocke von der Fassade entfernen zu lassen und sie zwischen zwei Pfeilern
am höchsten Punkt der Kirche zu befestigen. 85 Jahre später jedoch war sie immer noch an der
alten Stelle. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch
empfohlen, das schöne Oratorium weiter "auszubauen".
Später
wurde das Gotteshaus zur Pfarrkirche, und man bat um einige Verschönerungen. Ein Künstler
der Familie Avondo fertigte
an der Decke zwei Medaillons mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Rocco an, und Giuseppe
De Dominici aus Rossa fügte
ein Leinwandgemälde mit einer Abbildung des Todes des Hl. Josef hinzu.
Die
Pfarrkirche.
Auch
ein Kunstwerk der Bildhauerei gibt es hier zu bewundern: den Altar der Madonna
des Rosenkranzes mit
den traditionellen 15 Mysterien.
Auch die alte Altardecke aus bunt geprägtem Leder ist noch erhalten.
Hierher
wurde auch das Bildnis des Heiligen Pantaleone aus dem gleichnamigen Oratorium, das
leider abgerissen werden mußte, gebracht.
Die
Gewölbe- und Wandverzierungen wurden von Marco Berra, Künstler aus Cervatto, um
das Jahr 1940 ausgeführt.