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Gastfreundschaft - sowohl
der Ort als auch seine Bewohner bieten Sie dem Fremden. Und deshalb ist
jene Bemerkung zur Gänze hinfällig, die einst Don Ravelli in jungen
Jahren in einem Zeitungsartikel hingeworfen hat:" ... das
verachtungswürdige Cervatto".
Vielleicht wollte er damit auch nur eine gewisse "Ruhe Marke Cervatto"
preisen, die sich abhebt von der lärmenden Eile, die es auch in Fobello
schon gibt. So gesehen, kann man ihm heute noch zustimmen. Und F. Tosi steht
uns dabei zur Seite: "Cervatto, Schmuckstück des Valsesia, Perle der
Einsamkeit, grüne Oase des Friedens unter dem unendlichen Himmel."
Aber... die Autos drücken nach und versuchen, nach oben zu kommen - auf
zwei Straßen, die eine hinauf zu den höheren, nach Süden gelegenen
Ortsteilen, die andere, die seit März 1976 im Kreise um ein
Aschenputtel namens Oronegro (das Gold der Neger)
herumführt. Heute haben sie also ihr Ziel erreicht. (Cervatto =>
cervo = der Hirsch, damit Sie das untenstehende Bild verstehen)

Sollte man dem Ort nicht ein "typisches Denkmal" wie dieses
vorschlagen?...
Die Kinder fänden auf jeden Fall ihren Geschmack daran...
Zu dieser an einen sanften Wiesenhügel
angeschmiegte Häuseransammlung gibt es noch eine Neuheit... eine
poetische. Sie kam aus dem launigen Gemüt von Livio Di Lazzaro: "Sonne
und Tannen, heiteres Hell-Dunkel, eingefangen in vier Silben, Oro
Negro".
Und, als hätte er mit den Einwohnern ins Reine kommen wollen, fügt der
Dichter hinzu: "Die großen Herzen der Älpler, an denen die
hektische Hetze des Konsumzeitalters abprallt...".
Und damit auch er den Anschluß an die besungenen Älpler findet, fährt
er weiter fort: "... neue Herzen, ausgezogen aus dem Beton der
Städte, hinein in die Musik der Wälder, des Wassers und des Windes".
Wenden wir unseren Blick wieder ab von dem oben besungenen kleinen Ort
und gehen wir einen Schritt weiter zu unseren Freunden, die uns an
der "Montanina" erwarten. Indes, zwei Dinge lassen mir noch keine
Ruhe, zum einen der Anblick, den mir Fobello bietet, der für mich
am schönsten ganz oben ist, wo seine Ortsteile sich zu dieser
Stunde satt in der Oktobersonne baden. Und es berührt mich hier,
unweit der Kirche S. Rocco,
ein Baum, der aus der Entfernung prallvoll scheint
mit Trauben aus rotem Gold. Ich gehe näher hin zu diesem Baum und
ich bemerke: es ist der Wilde Vogelbeerbaum oder die Eberesche. Im
November wird er seine Blätter verlieren und nur mit seiner roten
Pracht an Früchten dastehen, so etwas wie eine Verheißung
auf den kommenden Frühling. Würde sich Cervatto mit
vielen dieser Bäume schmücken, so würde man es auch im
Herbst noch als das schöne "Cervatto in der Blüte" bezeichnen
können.
Wie auch immer, Cervatto wird immer weiter und
prächtiger blühen... im Sinne seiner blühenden,
gelassenen Heiterkeit.
Vom Heiligen Berg aus kann ich deinen "Pizzo Tracciora"
grüßen; von 608 m Meereshöhe herab seufzen die Toten
von 1918.
Man erlaube mir noch ein kleines bißchen Lyrik. Von wem? ... Ich
weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall wird es jenen Lesern gefallen,
die diesen bezaubernden Balkon von Cervatto kennen und lieben:
Die Natur, im Bündnis
mit dem Lieben Gott,
hat sich vom Himmel eine Handvoll Heiterkeit geholt
weiße Häuser, verstreut
auf diese Berge, und wenn das Tal,
mit den spitzen Nadeln der Kirchtürme
die Hänge blaugrün stickt,
hineinwebt die Steine auf den Dächern,
so sieht es der Herrgott zufrieden. Und segnet es!
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