|
Vom
Zentrum des Ortes aus, dort, wo der Brunnen ist, verlassen wir den Ort in Richtung
Norden, in der Nähe der Wasserleitung. Wir folgen dann dem Pfad, der bald in eine
Feuerschutzschneise übergeht, in östlicher Richtung. Nach ca. 5 Minuten Weg kommen
wir an die Abzweigung nach
Gallina,
und überqueren fast unmittelbar danach den Bergbach Comba
la Valle.
Auf dem linken Ufer des Baches steigen wir nun auf, in großen Serpentinen entlang
eines Kiefernwaldes. An einer Abzweigung halten wir uns rechts und folgen der Beschilderung
nach Sella und Colma.
Ein steiler Pfad führt uns in wenigen Minuten zur
Kapelle
Pianaccia.
Wir sind jetzt auf 832 m Meereshöhe. Hier war einst eine Alm, woran noch die Überreste
einer großen Sennhütte erinnern. Das Kapellchen, mit Gneis bedeckt, trägt die
Jahreszahl 1986, das Datum des Restauration, die von der Initiative
"Altes
Gebirge, schützenswertes Gebirge" durchgeführt
wurde. Die Architektur ist einzigartig: sie präsentiert sich für den Wanderer wie
eine Schutzhütte, da in die Wand, innen und außen, eine terrassenförmige Abstufung
eingelassen ist, die als Bank dient. An der hinteren Wand finden wir ein Fresko
von kostbarer Machart: es stellt die Geburt
Jesu dar,
in einer originellen Komposition, die sich von den konventionellen Regeln löst.
Das Kapellchen ist schon in der
Großen
Karten des Valsesia von
1759 verzeichnet. Wir steigen weiter im Wald auf und kommen nach einer Viertelstunde
zur Sella-Alm. Aus den Wipfeln der Buchen ragen die höheren Teile der Kapelle hervor,
welche der Heiligen
Elisabethgeweiht
ist,
davor eine Lichtung, auf welcher die Gläubigen früher und noch heute ihre
Votivgaben hinterlegen. Die
Fassade ist einfach, aber elegant, oben von einem Fenster durchbrochen
im altitalienischen Serlianotil und verschönert vom kostbaren
Tympanon (mit Skulpturen versehenes Bogenfeld über dem
Türsturz) des Eingangstores. An dessen beiden Seiten zwei Fenster,
durch welche man in das an Schmuck reiche Innere blicken kann, mit dem
bunten Holzaltar, zwei Votivtafeln und Bildern an den Wänden.
Über dem Altar ist die Heilige Elisabeth dargestellt, an die sich
die Gläubigen wandten um Schutz und Beistand zu erflehen. Die
Apsis ist vor kurzem restauriert worden. In einem Bericht
über eine kirchliche Visitation von 1779 wurde das Gebäude als Kapelle Mariä Heimsuchung bezeichnet.
Von der Sella-Alm
weitergehend
überqueren wir den zu Beginn unserer Bergtour schon
einmal überquerten Wildbach ein
zweites
Mal und sehen dann
bereits einen Teil der ausgedehnten Gallina-Alm, die wir
über einen Pfad erreichen, der im ersten Teil sehr bequem und eben
ist, dann
abert dort etwas gewundener wird, wo man an einem
geräuschvollen Wasserfall und weiteren zwei Zuflüssen
der Comba vorbeikommt.
In
20 Minuten sind wir bei den ersten Hütten von Gallina.
Wir gehen unter der Seilbahn hindurch, dann steigt der Pfad, der am
Wiesenrand entlang eines Buchenwaldes verläuft, ziemlich an. Wir
gehen an einem Kiefernwald entlang, dann weiter an zwei
verfallenen und einer noch intakten Hütte vorbei, und finden dann
links ein wunderschönes Haus, das erst vor kurzem sehr
sorgfältig renoviert worden ist. Nachdem wir einen weiteren
Kiefernwald durchquert haben, kommen wir in nicht einmal zehn Minuten
auf eine
gemütliche, heitere Alm. Dort befinden sich zwei Gebäude,
deren eines Sonja-Hütte heißt. Die herrliche Aussicht von hier auf Scopa
macht uns klar, daß sich der Umweg auf jeden Fall
gelohnt hat. Ein Schild weist uns den Weg zum Aussichtspunkt,
gleichzeitig auch zu einem Kirchlein, das man erreicht, indem man
geradeaus den Wald hochsteigt, weitere ca. zehn Minuten. Die Kirche ist eine der Hl. Maria Magdalena geweihte Kapelle, eine der ältesten von Scopa. In
der Apsis kann man das Datum "1688" lesen. Die Fassade hat ein
reichverziertes Eingangsportal, über dem ein Gemälde
hängt, das eine Episode aus dem Leben der Heiligen darstellt und
das in Zeiten der Dürre um Schutz angefleht wird. Noch in unseren
Tagen feiert man das Fest
dieser Kirche, am Samstag nach jenem anderen
Fest, dem von Otra, das am ersten Sonntag im August
stattfindet. Vor der Kapelle geht ein leicht ansteigender Pfad weg, der
zwischen hohen Seitenmauern dahingeht, welche zeigen, daß dies
hier ein alter Maultierpfad war. In knapp 10 Minuten kommt
man an der Wiese der Piana
di Biagio heraus.
Der Pfad führt rechts hinauf zur Colma
di Scotto und zum Ventolaro, wir aber gehen links hinunter Richtung Scopa und überqueren kurz darauf die weite Alm Cà d'Elena oder Frè. Wir kommen noch an anderen Almen vorbei: Cà
del Voga, Cà
di Cappello, Alpe
Pian del Sasso.
Bei letzter lohnt es sich, die Fresken der kleinen Kapelle aus dem Jahre 1573 anzuschauen. Sie
stammen wahrscheinlich von der gleichen Hand wie jene, die man in
vielen anderen kleinen Kapellen findet und stellen die Madonna
mit Kind dar. Zwei davon sind von besonderer Bedeutung: Die sitzende Madonna
und das Kind mit Halskettchen. Die Farben des Gemäldes sind ziemlich gut erhalten, trotz der Feuchtigkeit, der es ausgesetzt war, ehe die Kommission der CAI "Altes Gebirges, schützenswertes Gebirge" sich
darum gekümmert hat, das Dach neu zu decken. An der Kapelle ist
auch die zylindrische Form beeindruckend, einzigartig in unserem Tal.
Auf einem wunderschönen Maultierpfad, mit weiten Serpentinen,
steigen wir in 40 Minuten nach Scopa ab, wo uns noch siebenhundert
Meter asphaltierte Straße von Muro trennen,
dem Ort, von dem aus wir losgegangen sind. |