|
Unsere
Wanderung beginnt in Rossa,
im Tal
der Sermenza,
circa 15 km von Varallo entfernt. Die Kirche dort, reich an
Innenbemalungen, hat einen Portikus, der mit Fresken von dem aus
Balmuccia stammenden Giovanni
Avondo
ausgemalt ist. Wenn man dem
Wegweiser Nr. 400 folgt, gelangt man
auf einen steilen, aber gut befestigten Maultierpfad, mit bequemen
Stufen. In der Ortschaft Vaz, in der viele Abzweigungen des
Weges beginnen, nehmen wir den zentralen Weg, der uns rechterhand an
einer alten Kapelle vorbeiführt. Nach 30 Minuten kommt man in den
Ortsteil Piana,
1050 m hoch, umgeben von weiten Wiesen und aus alten, sehr solide
gebauten Häusern
bestehend, denen man nachsagt, sie stammten aus dem 16.
Jahrhundert. Wenn man den Ort verläßt, bemerkt man auf der
rechten Seite des Pfades, der auf den Pizzo hinaufführt, die Kapelle San Giovanni Battista (Johannes der Täufer),
die man auch San
"Vecchio"
(vecchio = alt) nennt, um sie von der jüngeren zu unterscheiden,
die vom Anfang des 19. Jahrhunderts stammt und demselben Heiligen
geweiht ist. Das Gebäude ist im romanischen Stil erbaut,
der Gemäldezyklus an der Apsis ist aus der Lombardischen Schule. Der Maler stammt aus dem Kreis um die De
Campo und ist derselbe, der 1477 die Fresken in der Kapelle San Pantaleone in der Ortschaft Boccioleto gestaltet hat.
Sujet der Malereien (teilweise mit Beiträgen von unbekannten Meistern) sind Cristo
Pantocratore (Christus, der Allherrscher) und die Vier Evangelisten;
sie waren früher von 1700 bis 1960 von einer
hölzernen Tafel verdeckt, heute werden sie in der Pfarrkirche von
Rossa aufbewahrt. Das Außenfresko ist von Avondo Vater.
Wir verlassen den Pfad 400 und wechseln auf den Pfad 402 und gelangen sehr bald zur Kapelle S. Giovanni,
in Stein, ohne Verputz erbaut.
Ihre Weite und Größe sind
beeindruckend, wenn man sie mit der kleinen Ortschaft vergleicht, in
der sich die Kapelle befindet, aber man darf nicht vergessen, daß
zu Anfang des 19. Jahrhunderts Piana sechzig Familien zählte
(heute sind es nur noch drei Personen) und S.
Giovanni il Vecchio konnte
damals nicht alle fassen.
Auf der Ebene, entlang
an von Wiesen und mit Bäumen bestandenen Feldern, kommt man in 40 Minuten nach Rainero;
die kleine Kirche dort mit ihrer harmonischen Gesamtlinie liegt etwas
abseits von den Häusern auf der kleinen Piazza und ist Mariä Heimsuchung geweiht, erbaut im 17. und 18. Jahrhundert. Die Fresken werden Dedominici
di Rossa zugeschrieben;
auf der Fassade hebt sich ein Fresko der Madonna
in der Gloriole zwischen den Heiligen ab;
bemerkenswert ist der geschnitzte Chor. Nach Rainero folgen wir dem Pfad Nr. 399, der uns ins Val
Cavaione führt.
Kommt man aus einem stillen Buchenwald heraus, kann man dem Pfad 403 folgen, der nach Alpe
Selletto führt, 1289 m hoch, wo sich die Kapelle der Schmerzensreichen Mutter aus dem Ende des 18. Jahrhunderts
befindet, bekannt auch als die Kapelle des "Schlafenden Herrn".
Der Name ist auf ein Kruzifix zurückzuführen, das wegen
seines schlechten Erhaltungszustandes mit ausgebreiteten Armen auf ein
wie ein Bettlaken aussehendes Tuch gelegt ist, so daß es
aussieht, als würde Christus schlafen.
30 Minuten weiter auf dem Pfad und man kommt zur Alpe
Prese (mit Hütten aus dem 15. Jahrhunderts). Wir durchqueren sie und kommen bei der Alpe
Tu delle Roggie heraus,
die ziemlich verfallen ist, mit einer kleinen Kapelle, die eine hölzerne Statue der Jungfrau mit Kind enthält. Krokusse, Enzian, Narzissen, Alpenflachs und Lilien bedecken im Frühling hier alle Wiesen. Nach der Alpe
Grassure, 1277 m hoch, kommt man zur Alpe
Sasso Maddalena, 1498 m. Ein Pfad führt bergwärts zur Kapelle der Madonna
del Sasso,
im Auftrag des Kanonikus Nicolao Sottile
im 18. Jahrhundert erbaut, der damit einen religiösen
Herzenswunsch der Almbewohner erfüllte, die im Sommer für
viele Monate weit weg von Rossa waren.
Die Kirche ist der Schmerzensreichen Jungfrau geweiht, auf Leinwand gemalt von Emilio
Contini aus Varallo. Auf einem anderen Bild sieht man den Kanonikus Sottile mit seinem Vater in der Uniform der Miliz des Valsesia. Nach einem etwas anstrengenderen Abschnitt des Weges erreicht man die Alpe
Sull'Oro (zwei Stunden von Rossa entfernt) auf 1236 m Höhe. Hier erhebt sich die von 1534 stammende, dem Hl. Bischof Bernhard von Vercelli geweihte Kapelle, flankiert von San
Luigi und einem anderen Bischof: San
Nicola di Bari.
Diese Kapelle legt Zeugnis ab vom ersten Restaurierungsauftrag der Kommission der CAI Varallo "Montagna Antica, Montagna da salvare" ("Altes Gebirge, erhaltenswertes Gebirge"). Von dieser Alm kehren wir nach Rossa zurück, indem wir dem Pfad 396 folgen. Wir gehen unter den Felsenwänden der Felskirche entlang und erreichen schließlich
die
Alpe
Boccaricciolo, 1065 m hoch, (20 Minuten). Der Pfad, der immer wieder einen Panoramablick auf Cavaione gewährt, führt für Kirche Delle Giavinelle,
die von enormen Felsen vor Lawinen geschützt ist. Sie ist der Madonna
della Neve,
der Schneemadonna, geweiht, erbaut im 15. Jahrhundert. Im Inneren ist ein schönes Fresko von Rossa
aus dem Jahre 1716 zu erwähnen, einige Gemälde von Borsetti,
ein erstaunlicher Holzaltar und die Altarschranke. Die Fassade, ein Werk von Musso,
ist 1972 renoviert worden. Wenn wir nach Rossa zurückkehren,
sehen wir einige Häuser mit Gitterwerk, wo noch heute ein
besonderes System der Hausabdichtung zu sehen, wobei die billigen
Materialien verwendet wurden, die man vor Ort fand: Holz, Tuffstein und
etwas Kalk. In einigen Fällen kann man noch das Holz mehr oder
weniger deutlich sehen, das zur Verstärkung dient. Auch wenn man
sich für diese Kuriosität ein wenig Zeit nimmt, erreicht man
doch in Kürze das Zentrum des Ortes.
|